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Workshop Goethe im Kreißsaal
- Eigenes Schreiben von kleinen Texten: Kreatives Schreiben
- Vorstellung meiner Arbeit (Die Geburt als Thema biographischer Literatur. Textanalyse und Textauswahl unter besonderer Berücksichtigung der Hebammenausbildung)
www.hebammen.uni-osnabrueck.de/aschnettler.doc
Evtl. Szenisches Darstellen von ausgewählten Texten
Diskussion über eine “Literaturdidaktik Geburt”
Austausch Literaturbörse. (Ich freu mich über eigene verfasste oder mitgebrachte Texte und Bücher zum Thema: Geburt und Literatur)
Hier einige Textbeispiele zur Inspiration!“Als ich aus dem warmen Bauch kroch
In die kalte Welt, da winkten Drüsen mir, das weiß ich heut noch Und mir war, als ob sie stinkten Aber Oma >>Meume << spuckte
Mama untern Büstenhalter Wie die Hebamme da kuckte! Als ich plötzlich soff, wie`n Alter” (Wolf Biermann: Paradies uff Erden. Ein Berliner Bilderbogen. Köln 1999, S.76) “Mama kam zuhause nieder. Als die Wehen entsetzten, stand sie noch im Geschäft und füllte Zucker in blaue Pfund- und Halbpfundtüten ab. Schließlich war es für den Transport in
die Frauenklinik zu spät; eine ältere Hebamme, die nur noch dann und wann zu ihrem Köfferchen griff, mußte aus der nahen Hertastraße gerufen werden. Im Schlafzimmer half sie mir und Mama voneinander loszukommen.”
(Günter Grass: Die Blechtrommel. Roman. Frankfurt am Main 1974, S.46ff.) “Das Wunder geschah, oder meine Chemie spielte verrückt, ich war überwältigt von
diesem zerknautschten Geschöpf, das endlich geboren war. Unser Kind war gesund, stark, laut, und ich behaupte, es war schön vom ersten Augenblick an. Unsere Tochter lag im Arm von Angela, und ich legte mich zu ihnen ins
Kreißbett, sobald uns Arzt und Hebamme allein ließen. Angela strahlte mich an und ich sie, und wir beide das Kind, und wir waren wie ausgewechselt und bekundeten uns wortlos die Meisterschaft über unsere Zweifel. Ich
hätte die Nacht nicht allein zu Hause verbringen können. Ich wollte bei meiner Familie sein. Die kleine Hand meiner Tochter auf Angelas schlafendem Gesicht, die Ruhe, ich musste mir dieses Bild nicht einprägen, es hielt
mich fest.” (Lydia Mischkulnig: Sieben Versuchungen. Erzählungen. Stuttgart.1998, S.133 ff.) “ Dem Oberarzt ist es nicht möglich, uns mit Narkosen zu
bedienen, sagt die Oberhebamme. Die Schülerinnen stehen mehr am Bett als wir, sie müssen über den Monitor genau Bescheid wissen, sagt die Oberhebamme.Die Milchbildung setze normalerweise drei bis fünf Tage
nach der Geburt ein, sagt die Oberhebamme, bis dahin werde das Kind künstlich mit der Flasche ernährt, ernähren sie das Kind mit der Flasche, um das Kind beherrschen zu können?, denn warum kann das Kind nicht die
Vormilch trinken, warum lassen sie das Kind denn nicht an die Brust der Mutter, warum trennen sie ?,immer aus sachlichen Gründen, aus sachlichen Gründen geschieht immer alles, die Oberhebamme sagt: Personalknappheit.”
(Karin Struck: Die Mutter. Frankfurt am Main 1975, S.232 ff.) “ Ich wurde als ganz kleines Kind geboren. Meine Mutter schenkte mich meinem Vater, damit
er sich freute. Als mein Vater erfuhr, daß ich ein Mann war, konnte er sich nicht mehr halten und sprang vor Freude im Zimmer herum, denn er hatte sich sein ganzes Leben immer nur Männer gewünscht. Die größte Freude für
meinen Vater aber war es, dass ich ein Zwilling war.Dann wuchs ich heran zur Freude anderer, und es ist schon immer in meinem ganzen Leben mein Betreben gewesen, anderen immer nur Freude zu bereiten. Wenn sie sich
manchmal aufregen, dafür kann man ja nichts. Mein Lehrer freute sich immer, wenn er mich ohrfeigen konnte, und die ganze Schule war froh, als ich mit ihr fertig war.” Kurt Switters In: Friedhelm Lach: Kurt Switters. Das
Literarische Werk. Band 1. Lyrik. Köln 1973, S.12) Referentin:Heidi Schnettler |